
Wenn jede Naht zählt: Wie Kuhlmann eigene Schweißkompetenz aufbaut
Eine Schweißnaht ist für viele Menschen nur die Stelle, an der zwei Metallteile verbunden werden. Im Leitungs- und Infrastrukturbau bedeutet sie deutlich mehr. Sie sorgt dafür, dass Leitungen halten, Netze funktionieren und wichtige Versorgungssysteme belastbar bleiben. Einer, der genau weiß, worauf es dabei ankommt, ist Salih Yalti. Seit 2008 bildet er bei Kuhlmann Schweißer aus. Wenn er über seine Arbeit spricht, merkt man schnell: Für ihn ist Schweißen kein einfacher Arbeitsschritt. Es ist ein Handwerk, das Erfahrung, Genauigkeit und Verantwortung verlangt.
Erst hinschauen, dann ausbilden
Wer bei Kuhlmann in die Schweißausbildung kommt, wird zunächst über eine Arbeitsprobe eingeschätzt. Dabei zeigt sich, welche handwerklichen Fähigkeiten vorhanden sind und wo gezielt weitergearbeitet werden muss.
„Nicht jeder Schweißer ist gleich perfekt“, sagt Salih Yalti. Manche hätten Schwierigkeiten im Wurzelbereich, andere bei den Heftstellen oder in der Füll- und Decklage. Genau dort setzt die Ausbildung an. Es wird geübt, bis Temperatur, Elektrodenhaltung, Abstand zum Werkstück und die einzelnen Schweißlagen sicher zusammenspielen.
Für Yalti ist das entscheidend. Denn auf der Baustelle zählt nicht, ob etwas theoretisch verstanden wurde, sondern ob es unter echten Bedingungen zuverlässig funktioniert.
Eigene Fachkräfte für anspruchsvolle Aufträge
Gute Schweißer sind auf dem Markt schwer zu finden. Gleichzeitig werden die Anforderungen im Leitungsbau immer komplexer. Deshalb bildet Kuhlmann eigene Schweißer zentral in Hannover aus.
„Es ist sehr wichtig für uns, Nachwuchs auszubilden, weil es immer weniger Schweißer am Markt gibt“, sagt Salih Yalti. Der Vorteil für Kuhlmann: Wir wissen genau, was unsere Fachkräfte können, wo sie eingesetzt werden können und welche Qualität sie liefern.
Im vergangenen Jahr wurden bei Kuhlmann rund 40 Prüfungsstücke geschweißt. Dabei ging es um unterschiedliche Werkstoffe, Materialien, Schweißpositionen und Verfahren, die im Rohr- und Infrastrukturbau gebraucht werden. So entstehen Kompetenzen, die bei anspruchsvollen Aufträgen den Unterschied machen.
Wenn Übung zur Baustellenrealität wird
Wie anspruchsvoll Schweißarbeit sein kann, zeigt sich besonders bei praxisnahen Übungen. Ein Beispiel ist die Verbindung eines im Betrieb befindlichen, mit Wasser gefüllten Rohrs mit einem Anschlussstutzen.
Das wassergefüllte Rohr nimmt Wärme nur langsam auf und muss zunächst auf über 50 Grad erwärmt werden. Der trockene Stutzen reagiert dagegen deutlich schneller auf die Hitze. Der Schweißer muss diese unterschiedlichen Bedingungen gleichzeitig beherrschen, den Lichtbogen kontrollieren, die Elektrode sauber führen und trotz Stromschwankungen ruhig bleiben.
Genau solche Übungen zeigen, warum Salih Yalti so viel Wert auf Wiederholung und Genauigkeit legt. Eine gute Naht entsteht nicht nebenbei. Sie entsteht durch Übung, Konzentration und ein Gefühl für das Material.
Qualität heißt: einmal richtig arbeiten
Für Salih Yalti ist gute Schweißarbeit vorwiegend verlässlich. Sein Anspruch ist klar: „Wir dürfen das Gewerk nicht zweimal anpacken.“ Eine Arbeit soll einmal ausgeführt werden, sauber und so, dass der Auftraggeber sich darauf verlassen kann.
Diese Haltung gibt er an die Schweißer weiter, die er ausbildet. Nach der Vorbereitung folgt eine Prüfung mit schriftlichem und praktischem Teil. Erst nach erfolgreichem Abschluss erhält der Schweißer die Berechtigung, seine Arbeit für drei Jahre auszuführen. Zusätzlich muss die Qualifikation alle sechs Monate bestätigt werden.
Für Kuhlmann ist diese Ausbildung deshalb mehr als ein interner Qualifizierungsweg. Sie macht das Unternehmen flexibler, stärkt die eigenen Teams und erhöht die Kompetenz für anspruchsvolle Projekte, etwa in den Bereichen Fernwärme, Energiewende, Stromversorgung und Ladeinfrastruktur.
Ohne Schweißer läuft vieles nicht
Im Alltag sieht man oft nur Baustellen, Gräben oder kurzfristige Einschränkungen. Was dahintersteht, bleibt häufig unsichtbar. Ohne Menschen, die Leitungen bauen, verbinden, prüfen und instand halten, gäbe es vieles nicht, was selbstverständlich erscheint: Wasser, Wärme, Gas, Strom oder digitale Infrastruktur.
Genau deshalb ist die Arbeit von Schweißern so wichtig. Sie tragen dazu bei, dass die Versorgung funktioniert und die Infrastruktur belastbar bleibt.
Für Salih Yalti ist die Ausbildung ein Weg, dieses Wissen weiterzugeben. Er bildet Menschen aus, die später auf der Baustelle Verantwortung übernehmen und mit ihrer Arbeit einen sichtbaren Beitrag leisten.
„Wir liefern Qualität“, sagt Salih Yalti. Ein kurzer Satz, der gut zusammenfasst, worum es in der Schweißausbildung bei Kuhlmann geht.