
Baggern will gelernt sein 🏗️
„Ralf, das schaffen wir nie …“, war sich Jonathan, Tiefbaufacharbeiter-Azubi im zweiten Lehrjahr bei Wähler, beim Blick auf die Aufgabe ziemlich sicher. Mit dem Bagger sollte er Holzbalken auf zwei Plastikhütchen stapeln. Und zwar so, dass am Ende möglichst viele übereinanderliegen.
Ein paar Stunden später waren es sechs. Was morgens noch ziemlich unmöglich aussah, klappte mit jedem Versuch ein bisschen besser.
Für unsere angehenden Tiefbaufacharbeiter gehört der Baumaschinengerätelehrgang im zweiten Ausbildungsjahr fest zur Ausbildung. Gemeinsam mit unserem erfahrenen Rohrleitungsbauer Stefan Schreiber verbrachten die Wähler-Azubis dafür mehrere Tage bei der Hanse BauAkademie in Braak. Dort ging es nicht nur darum, verschiedene Maschinen kennenzulernen. Vor allem konnten sie selbst fahren, ausprobieren und ein Gefühl für die Maschinen entwickeln.
Erst verstehen, dann losbaggern
Bevor es in die Kabinen ging, standen zunächst die Grundlagen auf dem Programm: Wie funktionieren Erdbewegungsmaschinen? Welche Gefahren gibt es? Und worauf kommt es an, damit auf der Baustelle sicher gearbeitet werden kann?
Danach ging es auf den Übungsplatz. Vom 1,9-Tonnen-Minibagger über Radlader bis zum 12-Tonnen-Mobilbagger konnten unsere Azubis verschiedene Maschinen ausprobieren.
Stefan bezeichnete das Gelände passend als „Spielwiese“. Hier liegen keine echten Versorgungsleitungen oder Kabel im Boden. So konnten die Azubis in Ruhe üben, Fehler machen und Bewegungen immer wieder ausprobieren, bis sie sicherer saßen.
Baggerfahren braucht Fingerspitzengefühl
Von außen sieht Baggerfahren eigentlich gar nicht so schwierig aus. Auf dem Fahrersitz zeigte sich allerdings schnell, wie viel Koordination dahintersteckt. Zwei Joysticks steuern, mehrere Bewegungen gleichzeitig koordinieren und dabei den Baggerlöffel genau dort hinbekommen, wo er hin soll. Das braucht Übung und ein gutes Gefühl für die Maschine.
Ralf Bosse von der Hanse BauAkademie zeigte den Azubis dabei nicht nur, wie die Maschinen funktionieren, sondern vor allem, worauf es später im Arbeitsalltag ankommt. Beim Ausheben eines Rohrgrabens lernten sie zum Beispiel, die Erde kontrolliert mit der halben Schaufel von der Kante abzuziehen. So lässt sich präziser arbeiten und gleichzeitig auf die Kollegen im Graben achten.
Ein Golfball als nächste Herausforderung
Wie viel Gefühl unsere Azubis inzwischen für die Maschinen entwickelt hatten, zeigte sich bei den Geschicklichkeitsübungen. Eine davon klang zunächst etwas ungewöhnlich: Mithilfe der Baggerhydraulik musste ein Golfball durch ein großes Labyrinth bewegt werden.
Auch Torben, Tiefbaufacharbeiter-Azubi im zweiten Lehrjahr bei Wähler, stellte sein Fingerspitzengefühl unter Beweis: Gerade einmal 30 Sekunden brauchte er und sicherte sich damit die Bestzeit.
Auch an den anderen Stationen war Präzision gefragt. Die Azubis stapelten Steine auf Paletten, fuhren über unebenes Gelände und rangierten die Maschinen möglichst genau auf einen Anhänger. Dabei wechselten sie immer wieder durch und lernten so unterschiedliche Maschinen und Steuerungen kennen.
Bevor es darauf ankommt
Ralf verglich das Baggerfahren mit Fahrradfahren oder Schwimmen: Anfangs denkt man noch über jede Bewegung nach. Mit der Zeit werden die Handgriffe immer selbstverständlicher.
Genau dafür war der Lehrgang da. Unsere Azubis konnten Fragen stellen, Fehler machen und so lange üben, bis die Bewegungen sicherer wurden. Mit dem Wissen und der Sicherheit, die sie dabei gewonnen haben, sind sie jetzt bereit, das Gelernte im Arbeitsalltag einzusetzen und an den Maschinen eine echte Unterstützung auf unseren Baustellen zu sein.
Und Jonathan? Der weiß nach sechs gestapelten Holzbalken zumindest, dass aus „Das schaffen wir nie …“ mit ein bisschen Übung ziemlich schnell „Geht doch!“ werden kann.


